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Christophe Boltanski: Das Versteck
Marion Poschmann: Die Kieferninseln
Luise Maier: Dass wir uns haben
Volker Kutscher: Moabit
Barbara Lutz: Keinen Seufzer wert

Christophe Boltanski
Das Versteck

Christophe Boltanski: Das Versteck

Christophe Boltanski erzählt das Schicksal seiner Familie anhand der Geschichte eines einzigartigen Hauses an der Rue de Grenelle, in einem gutbürgerlichen Viertel von Paris, wo er seit seinem 13. Lebensjahr mit den Grosseltern lebt. Im Erdgeschoss des Hauses führt der Grossvater, ein getaufter Jude, eine Arztpraxis. Zu spät erkennt er die Gefahr, die ihm in Frankreich unter der Herrschaft des Nationalsozialismus droht. Die Grossmutter greift zu einer List. Sie lässt sich von ihrem Mann scheiden und versteckt ihn in einem Hohlraum zwischen Bad und Schlafzimmer. 

Die Wohnung wird zu einer Festung und bleibt es auch nach der Befreiung von den deutschen Besatzern. Der Enkel wird zum stillen Beobachter. Ob er diesen Lebensroman seiner Familie geschrieben hat, um sich von dem Versteck, dieser Festung, zu befreien? Wie auch immer, Boltanski ist ein zärtliches, anrührendes Buch gelungen, das, durchaus mit einer Prise Humor, von der grossen Tragödie des vorangegangenen Jahrhunderts erzählt.

Therese Heiniger

Hanser Verlag, 2017
320 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-446-25642-2

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CHF 33.50

Marion Poschmann
Die Kieferninseln

Marion Poschmann: Die Kieferninseln

«Willst du etwas über Kiefern wissen – geh zu den Kiefern»          Matsuo Bashô

Der Traum, dass seine Frau ihn betrügt, lässt den Kulturwissenschaftler und Bartforscher Gilbert Silvester so in Panik geraten, dass er kurzerhand einen Flug nach Japan bucht. In Tokio angekommen, trifft er im Hauptbahnhof zufällig auf den Studenten Yosa. Dieser führt das «vollständige Selbstmordhandbuch» mit sich, in der Absicht, einen geeigneten Platz zu finden, um sich das Leben zu nehmen.

Gilbert Silvester nimmt sich fast widerwillig dieses Versagers an, und so begibt sich das ungleiche Paar auf eine Reise. Gilbert hat nämlich auch ein Ziel: Er will auf den Spuren des Dichters Bashô die legendäre Bucht mit den Kieferninseln bei Mondschein sehen.

Was die beiden Weggefährten unterwegs erleben, erzählt die Autorin tiefgründig, poetisch und mit leiser Ironie. Sie versteht es meisterhaft, Traum und Wirklichkeit verwischen zu lassen.

Veronika Scheuermeier

Suhrkamp Verlag, 2017
168 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-518-42760-6

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CHF 28.90

Luise Maier
Dass wir uns haben

Luise Maier: Dass wir uns haben

Das Cover besteht unter anderem aus sechs grünen Strichen auf grünem Grund. Das ist ein Haus, lakonisch einfach und doch täuschend. Was so einfach erscheint, ist doch sehr verwirrend und fragil. Es ist dies eine Familie und deren Geschichte, die schlussendlich auseinander bricht.

In kurzen Sequenzen ist dieses Haus «gebaut». Genau wird beobachtet und exakt wird beschrieben – ein Buch einer sehr begabten Debütantin aus der «Bieler Schule», von der noch einiges zu erwarten ist.

Ulrich Riklin

Wallstein Verlag, 2017
152 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-8353-3045-0

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CHF 25.50

Volker Kutscher
Moabit

Volker Kutscher: Moabit

Der Schriftsteller Volker Kutscher und die Illustratorin Kat Menschik haben sich für ein gemeinsames Buchprojekt zusammengetan. Die Geschichte spielt im Berlin der 20er-Jahre, einer unfreundlichen, kalten und hektischen Millionenstadt. Wirtschaftliche Probleme und soziale Spannungen prägen sie. Es wird gelitten, gefeiert und geprasst. Mittendrin ist Charlotte, 20 Jahre alt.

Sie stammt aus kleinen Verhältnissen, hat aber das Abitur geschafft und will studieren. Sie ist die Tochter des Oberaufsehers der Haftanstalt Moabit, Christian Ritter. Charlotte und ihre Eltern wohnen in einer Beamtenwohnung direkt beim Gefängnis, wo der Berufsverbrecher Adolf Winkler, in der Szene bekannt als "Der Schränker", noch seine letzten Tage absitzt. Kurz vor der Haftentlassung wird ein Mordanschlag auf Winkler verübt, welcher das weitere Leben der drei Hauptfiguren entscheidend beeinflusst.

Für Satz und Layout des kleinen Büchleins ist die visuelle Co-Autorin Kat Menschik zuständig. Blauer Leineneinband, dickes Papier, dunkeloranger Farbschnitt, holzschnittartige Illustrationen und siebdruckartige Portraits der Protagonisten ergänzen die knappe, klare Sprache des Textes sehr passend.

Susanne Bühler

Galiani Berlin, 2017
88 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-86971-155-3

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CHF 25.50

Barbara Lutz
Keinen Seufzer wert

Barbara Lutz: Keinen Seufzer wert

Im Jahr 1861 wurden im Emmental zum letzten Mal Menschen hingerichtet. Tausende Schaulustige, darunter sogar eine Schulklasse, wohnten dem Ereignis bei, als vier des Mordes für schuldig befundene «Scheusale» enthauptet wurden.

Die Berner Autorin Barbara Lutz geht der Frage nach, wie es zu diesem Verbrechen kam und hat in ihrem neuen Roman das Beziehungsgeflecht der darin verwickelten Charaktere nachgezeichnet. Obwohl der Ausgang der Geschichte zu Beginn offengelegt wird, scheint er zunächst kaum vereinbar mit der Vorgeschichte, denn einen kaltblütigen Mörder sucht man vergebens.

Die verarmte Familie Wyssler aus Ursenbach zieht in der Not zu einem entfernten Verwandten, dem Schlatter Res, auf den Schafberg bei Signau. Doch der geizige und frömmlerische Bauer drangsaliert seine Untermieter und lebt fortan in ständiger Angst um seine Habe und sein Leben. Lieber lässt er die Ernte im Keller verfaulen, als etwas abzugeben, verriegelt Schränke und Türen und hört Stimmen im Kopf. Dabei mangelt es den Wysslers am Nötigsten, und sie fühlen sich von Res betrogen.

Auszüge aus dem Untersuchungsbericht und den Verhörprotokollen von 1861 sind in den Text mit eingeflochten. Die Autorin macht in den fiktiven Teilen Gebrauch von diesem Vokabular und imitiert den argwöhnisch hölzernen Umgangston, was die unheilvolle Atmosphäre von Geiz und Misstrauen eindrücklich transportiert.

Jana Kilchenmann

Limmat Verlag, 2017
240 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-85791-838-4

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