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Fernando Aramburu: Patria
Juli Zeh: Leere Herzen
Jakob Hein: Die Orient-Mission des Leutnant Stern
T.C. Boyle: Good Home
Flašar, Milena Michiko: Herr Kato spielt Familie

Fernando Aramburu
Patria

Fernando Aramburu: Patria

«Frage deinen Sohn, wenn du ihn das nächste Mal besuchst, ob er es war, der geschossen hat. Ich muss es wissen, bald, ich habe nicht mehr lange zu leben. Ich werde ihn auch nicht verraten. Und sag ihm, wenn er mich um Verzeihung bittet, vergebe ich ihm.»

Bittori, die Witwe eines ermordeten baskischen Unternehmers glaubt, dass der Sohn ihrer einst besten Freunde hinter dem Anschlag auf ihren Mann steckt. Dieser lebte als ETA Kämpfer im Untergrund und sitzt nun schon seit Jahren im Gefängnis.

Der Autor erzählt in seinem grandiosen, aufwühlenden Roman die Geschichte zweier baskischer Familien, die der blutig geführte Kampf der ETA für ein autonomes Baskenland zu erbitterten politischen Feinden macht und deren Alltag prägt. 

Doch es geht letztendlich auch um die Frage, ob und wie eine Aussöhnung über alle erlittenen Schrecken hinweg mit den einstigen Tätern möglich ist.

Veronika Scheuermeier

Rowohlt, 2018
768 Seiten, Gebunden
ISBN 978-3-498-00102-5

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CHF 35.90

Juli Zeh
Leere Herzen

Juli Zeh: Leere Herzen

Zehs neuer und dystopischer Roman «Leere Herzen» spielt ungefähr im Jahre 2025. In Berlin hat sich die rechtspopulistische Bewegung, die Besorgte Bürger Bewegung BBB, politisch durchgesetzt. Doch den «guten Demokraten» und den meisten Deutschen ist die Politik egal. In diesem gesellschaftlichen Umfeld haben die Psychotherapeutin Britta und ihr Geschäftsfreund Babak eine kleine, aber sehr erfolgreiche Praxis mit dem Namen «Die Brücke» aufgezogen. Sie therapieren dort suizidgefährdete Menschen, die sie mit Algorithmen aus dem Internet und dem Darknet fischen. Die allermeisten Klienten werden therapiert und geheilt. Die Sterbewilligsten jedoch vermitteln sie an Organisationen, z.B. Umwelt- oder Tierschutzorganisationen, die einen Märtyrer für mediale Aufmerksamkeit benötigen. Für die Selbstmordattentäter-Vermittlung nehmen die zwei Terrordienstleister viel Geld, und sie haben keine Probleme damit. Die Anschläge laufen gut organisiert ab und die Opferzahlen bleiben tief.

Dieses Buch ist ein unheimliches Gedankenspiel, eine Warnung und politische Literatur zugleich.

Susanne Bühler

Luchterhand, 2017
352 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-630-87523-1

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CHF 28.90

Jakob Hein
Die Orient-Mission des Leutnant Stern

Jakob Hein: Die Orient-Mission des Leutnant Stern

Als 1914 der Krieg ausbricht, rechnen wenige mit einem mehrjährigen Gemetzel. Auch Leutnant Edgar Stern nicht. Dieser möchte den Krieg abkürzen, indem er eine Gruppe muslimischer Kriegsgefangener als Zirkus getarnt zum Sultan nach Konstantinopel schmuggelt und dort freilässt. Das Oberhaupt des Orients soll unter dem Jubel des Volkes den Dschihad ausrufen, um dem befreundeten Deutschen Reich zum schnellen Sieg zu verhelfen.

Klingt nach viel Fantasie, tatsächlich basiert das ganze Unterfangen aber auf einer wahren Begebenheit. Der Autor Jakob Hein wurde auf diese Geschichte im Rahmen einer Israelreise aufmerksam und packte sie in einen kurzweiligen Roman. Hein vermag ganz subtil mit Vorurteilen aufzuräumen und deren Absurdität in mancherlei Hinsicht aufzuzeigen. Trotz unserer Kenntnisse über den Ausgang des ersten Weltkriegs fiebern wir mit dem sympathischen Helden und anderen Figuren wie Tassaout mit, einem der Kriegsgefangenen, der sich danach sehnt, in seine Heimat zurückkehren zu können.

Wunderbar trocken und humorvoll wechselt der Autor für diese abenteuerliche Reise von Figur zu Figur und bietet damit einen spannenden und absurden Blickwinkel auf eine wahre Geschichte. 

Yannick Blumenthal

Galiani Berlin, 2018
256 Seiten, Gebunden
ISBN 978-3-86971-172-0

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CHF 26.50

T.C. Boyle
Good Home
Stories

T.C. Boyle: Good Home

Präzis und mit untrügerischem Gespür erforscht T.C. Boyle in diesem Sammelband die alltäglichen Wechselfälle des Lebens, die verheerender nicht sein könnten.

Um Lügen geht es in der Geschichte eines jungen Protokollanten von Filmmaterial. Ausgebrannt durch die monotone Arbeit und den Alltagstrott, beschliesst der Ehemann einer Jurastudentin und Vater einer kleinen Tochter eines Tages, nicht mehr zur Arbeit zu gehen. Auch an den darauffolgenden Tagen bleibt er der Arbeit fern, und jedes Mal entschuldigt er sich wieder mit einer Lüge. Seine Ausreden werden immer fantastischer. Doch eines Tages kommt alles ans Licht, und er muss feststellen, dass er seine ganze Existenz kaputt gelogen hat.

Um eine Lüge geht es auch in der Geschichte «Balto», oder, um es in den Worten von Angelles Anwalt auszudrücken «Es gibt zwei Arten von Wahrheiten: gute und schmerzhafte». An diese «gute» Wahrheit soll die noch minderjährige Angelle denken, wenn sie vor Gericht über den Hergang des Unfalls aussagen muss, den ihr Vater mit ihr auf dem Heimweg von der Schule verursacht hat.

T.C. Boyle schafft es immer wieder, den Leser in das tiefe Seelenleben der unterschiedlichsten Charaktere zu versetzten, so auch im Falle des mexikanischen Jungen, der seit seiner Geburt wegen einer Genmutation keinen körperlichen Schmerz empfindet und deshalb durch seine Eltern zur Jahrmarktattraktion gemacht wird – solange, bis er stirbt.

Keine seiner zwanzig meisterhaften Kurzgeschichten lassen den Leser, die Leserin unberührt.

Therese Heiniger

Hanser Verlag, 2018
432 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-446-25808-2

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CHF 33.50

Flašar, Milena Michiko
Herr Kato spielt Familie

Flašar, Milena Michiko: Herr Kato spielt Familie

Als ich sah, dass von Milena Michiko Flašar ein neues Buch aufliegt, griff ich umgehend zu. Noch immer ist ihr letzter Roman «Ich nannte ihn Krawatte» eines der Bücher, das ich immer wieder an Freunde ausleihe. Der neue Roman befasst sich allerdings mit einer anderen Generation: Herr Kato ist pensioniert, lebt mit (oder neben) seiner Frau im obersten Haus der Siedlung und verbringt seine Zeit damit, Pläne zu entwerfen, statt sie auszuführen. Bis er eine junge Schauspielerin kennen lernt. Trotz seinen offensichtlichen Charakterschwächen ist er durchaus sympathisch, menschlich. In dieser Erforschung der Menschlichkeit liegt Flašars Stärke; wie Haruki Murakami gelingt es auch ihr, auf einer einzigen Seite ein Schicksal zu umfassen, so dass man am Ende des Absatzes stockt, die Augen zurück wandern lässt, innehält. Fühlt.

Marion Troxler

Wagenbach, 2018
164 Seiten, Gebunden
ISBN 978-3-8031-3292-5

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CHF 28.90

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