Überleben am Red River

Therese Bichsel
Überleben am Red River

Therese Bichsel: Überleben am Red River

Die Jahre ohne Sommer in Europa haben um 1816/1817 viele Familien in tiefe Not gebracht. So auch die Familien Rindisbacher und Scheidegger aus dem Bernbiet. Da kommt der Berner Patrizier und Hauptmann Rudolf von May gerade recht, der den Vätern die Auswanderung ins gelobte Land Kanada schmackhaft macht. In einer Werbebroschüre schwärmt er von einem Schlaraffenland, das die Auswanderer in der Kolonie des Red River, im Gebiet des heutigen Winnipeg, vorfinden würden. Das Klima sei gemässigt und gesund, erzählt er, der Boden fruchtbar und leicht zu bearbeiten, Jagd und Fischerei fielen äusserst ergiebig aus, und die Siedler, die sich dort niedergelassen hätten, würden sich «allda sehr glücklich befinden». So entschliessen sich die Männer, denen allein der Entscheid zusteht, für die Auswanderung. Als 1821 bei Wintereinbruch 170 Kolonisten nach einer strapaziösen Reise ihr Ziel erreichen, finden sie aber die weitaus grössere Not vor als zu Hause.

Therese Bichsel rollt in ihrem neuen Buch die Geschichte einer unsäglichen Enttäuschung auf, die in Briefen der Siedler, in Zeitungsausschnitten und einer Broschüre dokumentiert ist. Ihre Stimme aber gibt sie zwei weiblichen Familienangehörigen: der 21-jährigen Elisabeth Rindisbacher und der 11-jährigen Anni Scheidegger.
Auf Basis genauer Recherchen, und begleitet von den Bildern des Indianermalers Peter Rindisbacher, gibt die Autorin Einblicke in das harte Leben der Schweizer Siedler am Red River. Interessant ist der Roman gerade im heutigen Kontext, wo viele Menschen auf ein besseres Leben in unserem Land hoffen.

Jana Kilchenmann

Zytglogge, 2018
361 Seiten, Gebunden
ISBN 978-3-7296-0985-3

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