Keinen Seufzer wert

Barbara Lutz
Keinen Seufzer wert

Barbara Lutz: Keinen Seufzer wert

Im Jahr 1861 wurden im Emmental zum letzten Mal Menschen hingerichtet. Tausende Schaulustige, darunter sogar eine Schulklasse, wohnten dem Ereignis bei, als vier des Mordes für schuldig befundene «Scheusale» enthauptet wurden.

Die Berner Autorin Barbara Lutz geht der Frage nach, wie es zu diesem Verbrechen kam und hat in ihrem neuen Roman das Beziehungsgeflecht der darin verwickelten Charaktere nachgezeichnet. Obwohl der Ausgang der Geschichte zu Beginn offengelegt wird, scheint er zunächst kaum vereinbar mit der Vorgeschichte, denn einen kaltblütigen Mörder sucht man vergebens.

Die verarmte Familie Wyssler aus Ursenbach zieht in der Not zu einem entfernten Verwandten, dem Schlatter Res, auf den Schafberg bei Signau. Doch der geizige und frömmlerische Bauer drangsaliert seine Untermieter und lebt fortan in ständiger Angst um seine Habe und sein Leben. Lieber lässt er die Ernte im Keller verfaulen, als etwas abzugeben, verriegelt Schränke und Türen und hört Stimmen im Kopf. Dabei mangelt es den Wysslers am Nötigsten, und sie fühlen sich von Res betrogen.

Auszüge aus dem Untersuchungsbericht und den Verhörprotokollen von 1861 sind in den Text mit eingeflochten. Die Autorin macht in den fiktiven Teilen Gebrauch von diesem Vokabular und imitiert den argwöhnisch hölzernen Umgangston, was die unheilvolle Atmosphäre von Geiz und Misstrauen eindrücklich transportiert.

Jana Kilchenmann

Limmat Verlag, 2017
240 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-85791-838-4

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